Die Reaktion auf Vances Rede fiel verhalten aus. Anders als andere Redner erhielt er nur wenig Applaus, und im Gegensatz zum chinesischen Außenminister Wang Yi ließ er keine Fragen zu. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betonte daraufhin, dass die Entscheidung über politische Bündnisse in Deutschland nicht aus den USA diktiert werde.
Vance äußerte sich auch zu Russlands Einfluss auf Wahlen und spielte dessen Bedeutung herunter. "Wenn eine Demokratie mit ein paar hunderttausend Dollar für Social-Media-Werbung aus einem fremden Land zerstört werden kann, dann war sie von Anfang an nicht sehr stark“, sagte er. Diese Äußerung steht im Widerspruch zu Warnungen westlicher Sicherheitsbehörden, die seit Jahren auf gezielte russische Einflussnahme hinweisen.
Die europäischen Partner zeigten sich zunehmend besorgt über den neuen außenpolitischen Kurs der USA. Besonders die einseitigen Vorstöße für Verhandlungen mit Russland ohne Abstimmung mit NATO-Partnern stießen auf Widerstand. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kritisierte Vances Aussagen scharf: "Er zeichnet ein verzerrtes wirr Demokratie in Europa. Demokratie bedeutet nicht, dass eine laute Minderheit automatisch recht hat.“
Die Münchner Sicherheitskonferenz versammelt in diesem Jahr 60 Staats- und Regierungschefs sowie 150 Minister. Am Samstag wird auch Bundeskanzler Olaf Scholz erwartet. In einem zunehmend angespannten geopolitischen Klima rücken die transatlantischen Differenzen immer stärker in den Fokus.