Der Festgenommene war den Sicherheitsbehörden bereits seit Jahren ein Begriff. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bestätigte im Landtag, dass der 49-Jährige seit 2021 in der Dortmunder Neonazi-Szene aktiv war. Unter anderem nahm er an Gedenkveranstaltung für den verstorbenen Neonazi Siegfried Borchardt, genannt "SS-Siggi“, teil. Reul wies darauf hin, dass der Mann bereits wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Seit Mittwoch gilt er offiziell als "rechtsextremer Gefährder“. Bereits im Januar 2024 hatte der Verfassungsschutz versucht, ihn als "relevante Person“ im Bereich politisch motivierter Kriminalität einzustufen – damals jedoch ohne Erfolg, da die Erkenntnisse als unzureichend galten.
Der Fall sorgt auch bei Experten für Alarmstimmung. Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der selbst bereits Ziel extremistischer Pläne war, äußerte sich besorgt: „Es sind Hemmschwellen gefallen, sodass im Internet offen über die Bestrafung, Entführung oder gar Ermordung von Politikern diskutiert wird.“ Lauterbach forderte eine systematische Überwachung entsprechender Online-Räume und eine bessere Ausstattung der Sicherheitsbehörden, um gefährdete Personen zu schützen. Der SPD-Politiker verwies dabei auf einen Fall aus dem März, in dem vier Männer zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie eine Entführung Lauterbachs planten.
Die Wahl des Darknets ermöglichte dem Beschuldigten, seine kriminellen Aktivitäten weitgehend anonym durchzuführen. Die versteckten Seiten sind nur über spezielle Netzwerke und mit der genauen URL zugänglich – normale Suchmaschinen finden sie nicht. Gerade diese Anonymität macht das Darknet zu einem bevorzugten Ort für extremistische Machenschaften. Obwohl der mutmaßliche Drahtzieher nun hinter Gittern sitzt, bleibt die Frage offen, ob er Helfer oder Mitwisser hatte. Die Behörden arbeiten weiterhin intensiv daran, die Hintergründe des Falls vollständig aufzuklären. Die Festnahme in Dortmund unterstreicht die Notwendigkeit, rechtsextreme Strukturen entschlossen zu bekämpfen. Doch die Bedrohung für Politiker und andere öffentliche Personen bleibt bestehen – eine Herausforderung, der sich die Sicherheitsbehörden auch zukünftig stellen müssen.